Definition prekärer Beschäftigung nach Klaus Dörre (Universität Jena):

„Als prekär kann ein Erwerbsverhältnis bezeichnet werden, wenn die Beschäftigten aufgrund ihrer Tätigkeit deutlich unter ein Einkommens-, Schutz- und soziales Integrationsniveau sinken, das in der Gegenwartsgesellschaft als Standard
definiert und anerkannt wird.

Und prekär ist Erwerbsarbeit auch, sofern sie subjektiv mit Sinnverlusten, Anerkennungsdefiziten und Planungsunsicherheit in einem Ausmaß verbunden ist,
das gesellschaftliche Standards deutlich zuungunsten der Beschäftigten korrigiert.“

Prekäre Arbeitsverhältnisse

Von folgenden prekären Beschäftigungsformen sind überdurchschnittlich häufig ArbeiterInnen betroffen:  

Leiharbeit

Nicht nur die Bezahlung ist niedrig. Hinzu kommt, dass die Arbeitsplätze auch besonders unsicher sind. Mehr als die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse endet nach weniger als drei Monaten. Die hohe Dynamik der Zeitarbeit zeigt sich deutlich, wenn man sich Folgendes anschaut: Im ersten Halbjahr 2016 wurden 678.00 Beschäftigungsverhältnisse neu abgeschlossen und 616.00 beendet. (Quelle: Bundesanstalt für Arbeit 2017)

Befristung von Beschäftigungsverhältnissen

Das Statistische Bundesamt  weist  für das Jahr 2015 34,4 Millionen abhängig Beschäftigte (ohne Auszubildende) aus. Davon haben 3,2 Millionen, also 9,3 Prozent, ein befristetes Arbeitsverhältnis. 45 Prozent aller Einstellungen werden inzwischen befristet vorgenommen. Knapp die Hälfte aller Befristungen (48 Prozent) sind sachgrundlose Befristungen (Bundesregierung 2017).

Geringfügige Beschäftigung – Minijobs

Gegenwärtig sind rund 7,7 Millionen Menschen in Deutschland als geringfügig entlohnte Beschäftigte registriert. Davon arbeiten 5 Mio. Millionen Beschäftigte ausschließlich in sogenannten Minijobs. Sie erzielen im Monat also maximal ein Einkommen von 450 Euro. Eigenständige Existenzsicherung für die Beschäftigten? Fehlanzeige! Von dem Einkommen kannman weder leben noch für das Alter vorsorgen.

Werkverträge – Arbeit wird ausgelagert

Oft werden Werkverträge für Kostensenkungen missbraucht. Das führt dazu, dass errungene Standards unterlaufen werden. In drei Viertel (73 Prozent) der Betriebe stellen Betriebsräte fest, dass die Beschäftigten in Werkvertrags-Firmen zu schlechteren Arbeits- und Entgeltbedingungen arbeiten müssen.

Teilzeitarbeit und Unterbeschäftigung durch unfreiwillige Teilzeit

Teilzeitarbeit ermöglicht Arbeitnehmer/-innen mehr Freiraum für andere Aktivitäten: Sie haben mehr Zeit für die Familie, für ehrenamtliche Aufgaben und für die berufliche Fortbildung. Auch der Erwerb zusätzlicher Qualifikationen außerhalb des Betriebes oder einfach das Verfolgen von Hobbys können Motive für eine Teilzeittätigkeit sein. Nachteile sind ein niedrigeres Einkommen sowie dementsprechend geringere Rentenbeiträge zur Finanzierung einer ausreichend hohen Rente. Leider wird Teilzeitkräften häufig der Zugang zu betrieblichen Qualifizierungsmaßnahmen erschwert. Dies gilt auch für berufliche Aufstiegschancen. 2014 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 10,1 Millionen Personen von 20 bis 64 Jahren in Teilzeit beschäftigt. Seit 2005 ist die Zahl insgesamt um rund 1,9 Millionen gestiegen. Ihr Anteil an allen Erwerbstätigen lag 2014 bei 27 Prozent.

Hierzulande sind vorwiegend Frauen in Teilzeit beschäftigt – 2014 war fast jede zweite erwerbstätige Frau von 20 bis 64 Jahren (47 Prozent) in Teilzeit tätig. 

Die Folgen dieser prekären Arbeitsverhältnisse: Armut trotz Arbeit! 

Erwerbsarbeit wird für viele Menschen zu einer unsicheren Form der Teilhabe an der Gesellschaft. Weniger Einkommen sowie Unsicherheit sind die Folge. Wohnungen werden mittlerweile unbezahlbar, Familiengründungen ohne Verschuldung unmöglich und Kultur- und Freizeitaktivitäten zur Ausnahme. Es entfällt der Schutz vor materieller und sozialer Unsicherheit, wie ihn eine Vollzeitbeschäftigung oder ein Teilzeitbeschäftigungsverhältnis mit existenzsichernden Einkommen bietet.

Deshalb brauchen wir mehr und besser bezahlte sozialversicherungspflichtige Jobs!!!!!

Daher lauten unsere Forderungen:

  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!

  • Dienstleistungen, insbesondere die von Frauen erbrachten, müssen besser bezahlt werden!

  • Wer Vollzeit arbeitet, muss davon leben können!

  • Leiharbeit muss begrenzt sein!

  • Werkverträge und Scheinselbständigkeit müssen stärker kontrolliert werden, um Missbrauch zu verhindern!

  • Abschaffung der sachgrundlosen Befristung!

  • Änderungen der gesetzlichen Regelungen um Kettenarbeitsverträge zu verhindern!

  • Dem Zerlegen von versicherter Arbeit in Minijobs muss ein Riegel vorgeschoben werden!

  • Regelungslücken beim Mindestlohn schließen und Kontrollen verbessern!

  • Ein gesetzliches Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit, wenn dies von den Beschäftigten gewünscht wird!

  • Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro!

ver.di Kampagnen